Leseförderung mit dem Baustein-Konzept

Die Hinrich-Wilhelm-Kopf-Schule liegt in einem Stadtteil von Peine, der in vielen Bereichen benachteiligt ist. Ein hoher Anteil der Schüler/innen kommt aus Familien, in denen Lesen keine Tradition hat. Deshalb entwickelten die Lehrkräfte dort ein differenziertes Baustein-Konzept zur Förderung von Lese- und Medienkompetenz.


Die gezielte Unterstützung der Lesefreude ist an der Hinrich-Wilhelm-Kopf Schule eine zentrale schulische Aufgabe. Dies hängt weniger mit dem Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund zusammen, sondern vielmehr mit den vielfältigen Benachteiligungen zahlreicher Schüler/innen. Bildungsnähe oder Bildungsferne des Elternhauses hat einen besonders starken Enfluss auf die Lesefreude. Die Grundschule trägt dieser Tatsache mit einem Baustein-Konzept Rechnung:


1. Lernen am Modell
Bereits ab der ersten Schulwoche gehört tägliches Vorlesen aus Kinderbüchern zum festen Bestandteil des Unterrichts. Dabei erfreuen viele "alte" Kinderbücher, wie z.B. "Pippi Langstrumpf" und "Das kleine Gespenst“ auch heute noch die Mädchen und Jungen.

Um eine positive und wertschätzende Haltung zu Büchern zu bekommen, ist neben dem Vorbild auch das ganzheitliche Erfahren wichtig: Das heißt im wörtlichen Sinne: „Steck’ deine Nase ins Buch!“. Die Kinder riechen und fühlen neue Bücher, sie stellen fest: „Neue Bücher riechen gut!“.


2. Schulbücherei
Die Schulbücherei eröffnet vor allem Kindern aus bildungsferneren Elternhäusern neue Erlebnisräume und besitzt somit eine wichtige kompensatorische Funktion für benachteiligte Kinder.

Die einzelnen Klassen haben mittlerweile feste "Büchereistunden" in ihren Stundenplan eingebaut. Um den Kindern eine Bücherei nahe zu bringen sind regelmäßige, möglichst wöchentliche Büchereistunden wichtig.

Zusätzlich gibt es eine Bücherei-Arbeitsgemeinschaft (AG) der Grundschulkinder, die neue Bücher bestellt, sichtet, inventarisiert und sortiert. Die AG kümmert sich darum, dass die Ordnung in den Regalen erhalten bleibt und führt neben den klassenspezifischen Büchereistunden allgemeine Ausleihzeiten für alle Kinder in festgelegten Pausen durch.

Ergänzend dazu wird die Bücherei für besondere Veranstaltungen genutzt, wenn z. B. eine Klasse im Rahmen einer Lesenacht in der Schule übernachtet.


3. Antolin – die kombinierte Lese- und Medienförderung
Mit dem Zugang zu Antolin explodierte die Lesemotivation innerhalb der Schule geradezu. Möglichst schon Ende des ersten Schuljahres wird mit Antolin gearbeitet. Daher gilt: Wer lesen kann, darf Bücher bearbeiten und das machen manche Kinder bereits in der ersten Klasse. So sind diese Kinder aber auch ein zusätzlicher Motivationsfaktor für ihre Mitschüler/innen, die auch "endlich zu Antolin möchten".

Wenn die ganze Klasse in Antolin arbeitet, sind feste Zugangszeiten für Antolin im Umfang von etwa einer Stunde pro Woche wichtig.

Arbeitet die ganze Klasse mit Antolin, werden die erreichten Punkte und die gelesenen Bücher wöchentlich in der Klasse durch Aushang bekannt gemacht, womit ein hoher Motivationsfaktor für die Kinder verbunden ist.


4. Kinder empfehlen Bücher für Kinder
Je nach Interesse und Möglichkeiten kann etwa Ende der dritten Klasse damit begonnen werden, dass Kinder die von ihnen gelesene Bücher den Mitschüler/innen vorstellen. Dazu gehört das Vortragen von Textpassagen aus dem Buch als Leseprobe.

Den Kindern muss für diese Präsentationen natürlich eine entsprechende Vorbereitungszeit zur Verfügung gestellt werden. Dies ist aber innerhalb der differenzierten Unterrichtsgestaltung in der Grundschule recht problemlos möglich und in jedem Fall gut investierte Lernzeit. Die Kinder zeigen hier ein sehr konzentriertes und intensives Arbeitsverhalten und erwerben eine Reihe zusätzlicher Kompetenzen hinsichtlich Präsentations- und Vortragstechniken, Textsicherheit, Zusammenfassung von Texten usw.


5. Lese-Höhepunkte im Schuljahr
Ergänzend zu diesen kontinuierlichen Bestandteilen zur Leseförderung gibt es besondere Höhepunkte innerhalb des Schuljahres, die der Leseförderung dienen. Hierzu zählt u.a. die Kinder- und Jugendbuchwoche in Zusammenarbeit mit den örtlichen Buchhandlungen. Dabei kommen nicht nur Kinderbuchautorinnen und -autoren in die Schule, vielmehr wird die Schule bereits im Vorfeld bei der Gestaltung der Schaufenster der Buchhandlungen aktiv mit eingebunden.


Mit diesem Baustein-Konzept gelingt es der Hinrich-Wilhelm-Kopf-Schule, dass aus Lesemuffeln eifrige Leseratten werden. map

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