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Interview mit einem Glücksbringer

Von: dpa

Meldung vom 29.12.2017

Ab Klasse 3  

Quiz von Silke Fokken

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Berlin (dpa) - Viel Glück im neuen Jahr! Das wünschen sich Menschen häufig zu Silvester. Passend dazu sieht man oft Glückssymbole wie Kleeblätter und Schornsteinfeger. Wir haben mit einem echten Schornsteinfeger über seinen Job und sein Leben als Glücksbringer geredet.

Mit dreckigem Gesicht und dem Besen in der Hand: So steht der Schornsteinfeger in der Vorstellung vieler Menschen auf dem Dach und macht Kamine sauber. Ganz so sieht die Arbeit aber heute nicht mehr aus, verrät Schornsteinfeger Alain Rappsilber. Uns hat er auch erzählt, warum ihn gerade jetzt viele Leute anfassen möchten.

Steht ein Schornsteinfeger tatsächlich auf dem Dach und putzt mit Kugel und Besen die Kamine?
Alain Rappsilber: "Wir gehen immer noch aufs Dach und schwingen die Kugel wie vor mehreren Hundert Jahren. Wir haben aber auch die modernsten Messgeräte dabei und Kameras, um in die Kamine zu gucken."

Findet man dabei manchmal auch ungewöhnliche Sachen?
Alain Rappsilber: "Man findet so ziemlich alles. Da fragt man sich manchmal: Wie haben die Leute das hier reingekriegt? Bretter, Stangen, Barbie-Puppen, Geschirr, Besteck, alles Mögliche."

Fegt man den Schornstein immer von oben oder muss man da auch mal von unten reinklettern?
Alain Rappsilber: "Es gibt ja verschiedene Schornstein-Größen. Die kleinen kann man vom Dach aus mit dem Besen auskehren, aber es gibt auch noch ganz hohe Industrie-Schornsteine. Da muss man dann ganz schön mutig sein und nach oben steigen."

Wie oft ist man als Schornsteinfeger heute noch auf dem Dach?
Alain Rappsilber: "Nicht mehr so oft. Früher war man fast jeden Tag auf dem Dach. Heute ist die meiste Arbeit im Haus oder im Keller. Wir überprüfen die Heizungsanlagen oder gucken, dass die Kellergänge frei sind von Müll. Das gehört zum Brandschutz. Wir installieren auch Rauchmelder und erklären den Menschen, wie man richtig heizt."

Viele Menschen glauben daran, dass Schornsteinfeger Glück bringen. Woher kommt dieser Glaube?
Alain Rappsilber: "Spulen wir mal zurück ins 13. und 14. Jahrhundert. Da gab es Lehm, Stroh und Kuhscheiße als Baustoff. Man hatte noch keine Schornsteine und das Dach war aus Stroh. Wenn da ein Funken flog, sind ganze Städte abgebrannt. Dann kamen die Schornsteine. In ihnen verglühen die Funken. Aber sie müssen regelmäßig gereinigt werden. Der Schornsteinfeger hat den Ruß eingesammelt. Immer wenn der Schornsteinfeger da war, hat man gemerkt, hier brennt es nicht mehr so oft und so hatte man Glück."

Man sagt, es bringt Glück, einen Schornsteinfeger anzufassen. Passiert Ihnen das oft?
Alain Rappsilber: "Also natürlich zu Weihnachten und wenn es beim Lotto viel Geld zu gewinnen gibt. Es sind aber hauptsächlich ältere Leute, die uns Schornsteinfeger anfassen wollen. Jüngere Leute können damit nicht so viel anfangen."

Was bringt denn am meisten Glück? Hand schütteln oder die goldenen Knöpfe reiben?
Alain Rappsilber: "Es gibt da verschiedene Glücksregeln. Jeder soll es machen, wie er will. Ich habe auch schon Lotto-Scheine angefasst. Ob das was gebracht hat, weiß ich nicht. Aber was ist denn eigentlich Glück? Glück kann auch Gesundheit sein. Ich glaube, dass zu viel Geld die Leute auch nicht glücklich macht. Ich denke, Glück hat man, wenn man eine gute Familie hat: Eltern, die sich kümmern oder viele gute Freunde. Das ist doch viel mehr Glück als der Lotto-Gewinn."
Interview von Insa Kohler, dpa
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