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Nächster Stopp: Schlafplatz unter der Brücke

Von: dpa

Meldung vom 08.01.2017

Ab Klasse 4  

Fragen von Silke Fokken

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Hamburg (dpa) - Draußen schlafen, trotz Frost! Tausende Obdachlose übernachten in Deutschland auch im Winter im Freien. In Hamburg bekommen sie jeden Abend noch einmal Besuch von einem besonderen Bus.

"Der Mitternachtsbus ist da!", ruft Johann. "Möchte jemand heißen Kaffee?", fragt er und nähert sich einem kleinen Schlaflager unter einer Treppe im Freien. Schlafsäcke liegen auf dem Boden, dazu noch einige Decken und mehrere Tüten. Ein Mann übernachtet hier mit seinem Hund. Er heißt Uwe und hat keine Wohnung.

Um Menschen wie Uwe zu helfen, fahren Johann und andere Helfer abends mit dem Mitternachtsbus durch Hamburg. Es ist ein Mini-Bus mit wenigen Sitzplätzen. Dafür gibt es umso mehr Platz für Kaffee, Kakao, Tee, belegte Brötchen, Kuchen - und Hundeleckerli für Hundebesitzer wie Uwe. Alles wird großzügig verteilt. Außerdem sind warme Schals, Handschuhe und Jacken an Bord. Damit wollen die Helfer den Menschen aus der größten Not helfen, wenn etwas fehlt.

Uwe möchte nur einen Kaffee haben. "Das tut gut", sagt er und wärmt sich die Hände am Becher. Jetzt im Winter könnte er nachts in eine der Obdachlosen-Unterkünfte der Stadt gehen. Dort gibt es Schlafräume für Menschen ohne Wohnung. "Aber da darf ich meinen Hund nicht mit hineinnehmen", sagt Uwe. "Und von dem trenne ich mich nicht."

Der Mann bleibt deshalb in der Kälte, mit je einem Schlafsack für sich und für seinen Hund. Mit dem Kaffee in der Hand und den Leckerli geht er zurück zu seinem Platz. Der Bus fährt weiter.

Zwischen 20 Uhr und Mitternacht klappern die Helfer mehr als zwanzig Plätze ab, an denen obdachlose Menschen leben. Unter Brücken, in Hauseingängen oder an Bushaltestellen. An diesem Abend gehört auch Kristina zum Team. "Minus drei Grad haben wir!", sagt sie. Sie hat sich für die Fahrt extra warm angezogen, friert aber trotzdem.

Umso mehr freut sie sich, wenn sie den Menschen in der Kälte helfen kann. Nicht nur mit heißen Getränken. "Das sind unsere Gäste", sagt sie. "Und für die meisten ist auch sehr wichtig, dass man ihnen zuhört und freundlich mit ihnen redet." Denn das täten sonst nur wenige Menschen. Viele liefen teilnahmslos an ihnen vorüber.

Johann findet, dass man zum Reden viel mehr Zeit bräuchte. "Aber die Leute an der nächsten Station warten ja auch auf uns", sagt er. "Und wir möchten so vielen wie möglich helfen." Kristina kann den Mann, der jetzt im Kaufhauseingang schläft, deshalb nur kurz mit Essen und Getränken versorgen. Und sich auch nur kurz anhören, wie es ihm geht. Aber schon dafür bedankt dieser sich immer wieder.

Kristina macht die Arbeit im Bus Spaß, stimmt sie aber auch nachdenklich. "Ich habe einen anderen Blick auf die Menschen auf der Straße bekommen", sagt sie. Den Mann am Kaufhaus will sie demnächst tagsüber mal ansprechen, wenn sie dort unterwegs ist und mehr Zeit hat. "Ich hoffe, er freut sich", sagt sie.
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