Rezensionen von Elisabeth Simon-Pätzold
Michael Morpurgo
Großvater auf Probe
1999 Dressler
ISBN-10: 3-7915-1347-8
Empfohlen ab 9
Großvater auf Probe
1999 Dressler
ISBN-10: 3-7915-1347-8
Empfohlen ab 9
In dieser anrührenden Geschichte thematisiert Michael Morpurgo wie zwei Jahre später in "Toro! Toro!” eine besondere Großvater-Enkel-Beziehung. Mit hinein spielt, wie auch im anderen Buch, die ganze Lebensgeschichte des Großvaters, zu der das traumatische Erlebnis des zweiten Weltkrieges gehört. Das Buch ist gut erzählt aus der Perspektive der Enkelin und ist auch ohne eine spezifissche Fragestellung durch junge Leser eine spannende und interessante Geschichte.
In einer Stadt an der Ostküste Englands wohnt die elfjährige Cessie mit ihren Eltern. Sie sind erst vor ein paar Monaten hierher gezogen und jetzt sind Schulferien. Cessie vermisst die Schule nicht; sie hat sich noch nicht richtig eingewöhnt. Die Mutter ist von Beruf Lehrerin und der Vater arbeitet als Radioredakteur am örtlichen Radiosender. An einem verregneten Tag beobachtet Cessie einen alten Mann, der schon den ganzen Tag auf der Straße im Regen steht und auf ihr Haus starrt. Es kommt ihr eigenartig vor und sie zeigt den Mann der Mutter. Wenig später klingelt es an der Haustür und der Mann kommt tropfnass herein. Er bringt stockend sein Anliegen vor, dass er nämlich Cessies Großvater sei.und er möchte die Familie kennen lernen. Das klingt verwirrt, denn Cessis Vater ist zwar nach dem Tod seiner Mutter, die sich schon früh von ihrem Mann getrennt hatte, jahrelang im Waisenhaus aufgewachsen; von seinem Vater hat er aber niemals gesprochen. Cessie ist schrecklich aufgeregt und fasst sehr schnell eine Sympathie zu dem alten Mann. Gerade weil er so hilflos und ängstlich ist, will sie ihm die Situation erleichtern. Die Mutter ist zunächst sehr misstrauisch, aber der alte Mann weiß sehr viel und schließlich glauben ihm Mutter und Tochter. Man lässt ihn ein heißes Bad nehmen und macht Tee, damit er sich wieder aufwärmen kann.
Der Vater ist überhaupt nicht erfreut als er nach Hause kommt. Auch er kann nach kurzer Zeit nicht leugnen, dass der alte Mann sein Vater ist, auch die Familienähnlichkeit ist eindeutig, aber er bleibt verschlossen und reserviert. Bei diesem ersten Kennenlernen erleidet der alte Mann vor Aufregung einen Schlaganfall und stürzt so schwer, dass er sich einen Schädelbruch zuzieht. Im Krankenhaus stellt sich heraus, dass der Mann weitgehend sein Gedächtnis verloren hat. Er kann nicht mehr sagen, wo er bisher gewohnt hat und er kennt auch seine Lebensgeschichte nicht mehr bis auf die frühen Jahre.
Die Familie holt ihn wieder nach Hause und Cessie entwickelt ein ganz besonders freundschaftliches Verhältnis zu ihrem Großvater. Sie versteht ihn, wenn er in Depressionen fällt und sie vertraut dem, was er sagt. Sie glaubt, dass er nicht mehr weiß, wo er her kommt und sie glaubt auch, dass er irgend wann wieder den Schlüssel zu seinem verlorenen Gedächtnis finden wird. Ein solcher Lichtblick ist ein Modellschiff mit dem Namen Lucie Alice, das der Großvater für Cessie baut zu ihrem 12. Geburtstag. Er kennt das Schiff in und auswendig. Aber was hat es mit seinem Leben zu tun?
Der alte Mann macht ansich kaum Mühe, aber er hat immer wieder "dunkle Tage” und Zustände von mangelnder Übersicht und Zurechnungsfähigkeit. Die Eltern beschließen, ihn in ein Pflegeheim zu geben. Die Aktion wird so vorbereitet, dass sie perfekt ist, bis man Cessie davon erzählt. Sie fühlt sich hintergangen und getäuscht und sie fühlt sich schuldig. Nur sie weiß, dass der Großvater vor nichts so Angst gehabt hatte als gerade in dieses Pflegeheim eingesperrt zu werden. Niemals wollte er dort hin und sie hatte ihm versprochen, dass sie dafür sorgen werde.
Cessie sucht nun nach dem Schiff, das wird sie weiter bringen. Fast durch Zufall erfährt Cessie, wo das richtige originale Schiff ”Lucie Alice” liegt, weit weg am anderen Ende der Stadt. Sie geht hin und findet heraus, dass das Schiff dem Großvater gehört und er dort seit Jahren lebt. Cessie besorgt sich den Schlüssel und holt aus der Kabine des Großvaters einige Erinnerungsstücke, vor allem das Foto, das mit dem Namen Lucie Alice beschriftet ist. Sie schmuggelt es in das Pflegeheim und ist sich sicher, dass der Großvater mit diesen Gedächtnisstützen sich wieder erinnern wird. Und tatsächlich. Noch am gleichen Tag ist der Großvater aus dem Heim abgehauen und ist nun wieder daheim in seinem Schiff. Cessie besucht ihn und hier erfährt sie alles über das Leben des Großvaters. Diese Geschichte ist abenteuerlich und sehr traurig. Die beiden beschließen, der großen Frage im Leben des Großvaters nach zu gehen, um endlich eine Antwort zu finden, vor der der Großvater ein Leben lang davon gelaufen ist. Er muss zur Ruhe kommen und muss das Verhältnis zu seinem Sohn ins Reine bringen.
Administration
© 2003 - 2008 Elisabeth Simon-Pätzold











