Lesefähigkeiten messen: Lesetests im Visier
Um Kindern die ihnen entsprechende Leseförderung geben zu können, empfiehlt es sich, die Leseleistung mit differenzierten Messinstrumenten zu erfassen und zu beobachten. Deshalb hat die Redaktion fünf gängige Lesetestes geprüft und stellt sie in diesem und im nächsten Newsletter vor. Diese Tests konkurrieren nicht miteinander, sondern haben unterschiedliche Profile.
Das Salzburger Lese-Screening (SLS) – schnell und zuverlässig
Das SLS ist als Gruppentest rasch und unkompliziert einzusetzen. Die
Durchführungszeit beträgt insgesamt 15 Minuten, die reine Bearbeitungszeit durch
die Schülerinnen und Schüler drei Minuten. Die Testbögen mit vier Parallelversionen sind durch die
ganze Grundschulzeit die gleichen.
Kinder lesen beim SLS eine Liste von Sätzen. Am Ende jeder Zeile müssen sie entscheiden, ob die Aussage wahr oder falsch ist. Zum Beispiel: „Bei starkem Wind fällt leicht etwas um.“ oder „Erdbeeren sind ganz blau.“ Die Auswertung geschieht sehr rasch mittels Folien und dauert pro Kind ein bis zwei Minuten.
Der Test misst die basale Lesefertigkeit, auf der alle weitere
Leseentwicklung aufbaut: Lesegeschwindigkeit und basales Leseverständnis. Das SLS stellt fest, ob ein Kind die ihm altersgemäße grundlegende
Lesefertigkeit besitzt und an welcher Stelle es mit der Vergleichgruppe
bezogen auf die Klasse und auf den Jahrgang steht (sogenannter Lesequotient LQ).
Mit dem SLS kann man nicht ermitteln, ob ein Kind in der Lage ist, einen
zusammenhängenden Text inhaltlich zu verstehen. Die Fähigkeiten, die zu einer höheren Qualifikation gehören, werden hier nicht abgefragt. Ebenso kann man aus dem Ergebnis des Lesescreenings keine differenzierten Rückschlüsse auf Lesedefizite ableiten.
Das SLS liegt ebenfalls für die Jahrgänge 5 bis 8 vor. Das Screening wurde in Salzburg entwickelt, es wird flächendeckend in allen Grundschulen Österreichs
eingesetzt, ist aber auch für Deutschland valide und gilt als sehr
zuverlässiges Testverfahren. Weitere Infos unter:
www.testzentrale.de.
Der Hamburger Lesetest für Klassen 3 und 4 (HAMLET) – testet differenziert
HAMLET ist der differenzierteste Gruppentest für die Grundschule, der sorgfältige Einarbeitung, längere Ausführungszeit und längere Auswertungszeit beansprucht. Die Durchführung dauert zwei Schulstunden, die Auswertung anhand von Auswertungsfolien beansprucht circa fünf Minuten pro Kind.
HAMLET ist sehr aussagekräftig im Hinblick auf differenziertes Leseverständnis; er misst aber auch die Lesegeschwindigkeit. Der Hamburger Lesetest für die Klassen 3 und 4 ist als einmaliges Messinstrument für das Ende der Grundschulzeit gedacht.
Die Leseleistung wird einer von fünf Lesestufen zugeordnet, die nicht nur den Prozentrangplatz ausweist, sondern auch die erreichten Fähigkeiten genau benennt und einer erreichten Lesestufe zuweist. Daraus sind gezielte lesepädagogische Maßnahmen und Fördermöglichkeiten abzuleiten.
HAMLET ist ein theoretisch sehr gut begründeter Test. Zugrunde liegt die
international anerkannte Erkenntnis, dass sich Lesfähigkeit und insbesondere das
Leseverständnis in hierarchischen Stufen aufbaut. Um diese komplexen
Fähigkeiten zu erfassen, gibt es im HAMLET ein breites Spektrum an
unterschiedlichen Leseaufgaben.
Die Aufgabentypen reichen vom Wort-Test über Sach- und Gebrauchstexte
bis zu kleinen Erzählungen, die jeweils einer Stufe oder Lesefähigkeit
zugeordnet sind. Gute Leser/-innen müssen alle Schwierigkeitsstufen bewältigen. Das Textverständnis wird mit Multiple-Choice-Fragen ermittelt.
Infos unter:
www.testzentrale.de.
Der Stolperwörter-Lesetest – einfach und kostenfrei
Der Stolperwörter-Lesetest ist ein kostenfreier Gruppentest für die Klassen 1 bis 4. Er ist sehr ähnlich aufgebaut wie das SLS und misst
annähernd die gleichen Fähigkeiten, nämlich Lesegeschwindigkeit und basales
Leseverständnis. Noch nicht überzeugend sicher ist die Validität und die
Reliabilität dieses Tests, er kann aber erste Aufschlüsse über die
Lesefähigkeiten der Kinder und ihren Rangplatz in der Gruppe geben. Er ist zu finden unter
www.lesetest1-4.de.
Im nächsten Newsletter: Tests für leseschwache Schülerinnen und Schüler und für Kinder der ersten Klasse
sim
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