Kämpfen statt Kindsein - Eine Viertelmillion Kinder müssen kämpfen
dpa
Meldung vom 08.02.2012
Osnabrück (dpa) - Yina ist zwölf, als sie in den Kampf zieht. Das Mädchen lebt in Kolumbien in Südamerika. Zu Hause hat sie es nicht leicht. Irgendwann haut sie ab - und schließt sich einer großen Rebellengruppe an. Diese Krieger und Kriegerinnen der Gruppe FARC kämpfen in Kolumbien gegen die Regierung. Sie hausen im Dschungel, handeln auch mit Drogen, erpressen Geld und entführen Menschen.
Yina aber ist damals überzeugt, dass es den Leuten um gute Dinge geht. Dass sie sich zum Beispiel für eine gerechtere Landverteilung einsetzen. Sie habe geglaubt, was die Kämpferinnen und Kämpfer ihr vorgaukelten, erzählt Ralf Willinger. Er arbeitet bei der Hilfsorganisation Terre des Hommes und kennt Yina und ihre Geschichte und erzählt sie uns. Es ist oft auch Abenteuerlust, Faszination für die Waffen, für die Männer", sagt er.
Auch Yinas Cousine ist damals schon bei den Kampfgruppen. Irgendwann wird die Cousine im Kampf getötet. Yina denkt an Flucht, aber sie wagt es nicht. Denn wer abhaut, riskiert in vielen Fällen sein Leben. "In der Regel steht auf Flucht die Todesstrafe", sagt Ralf Willinger. Wer dabei ist, kennt die Mitkämpfenden und die Verstecke. Die Rebellen wollen nicht verraten werden.
Nach etwa zwei Jahren wird Yina bei einem Gefecht gefangen genommen. Oft ist das der einzige Ausweg für die Kindersoldaten und Kindersoldatinnen. So ist es auch für Yina. Sie kommt danach in ein staatliches Heim und lebt dort ein Jahr lang. Sie trifft andere Kinder mit ähnlichen Schicksalen, die teilweise auf der anderen Seite gekämpft haben. Außerdem sprechen sie im Heim ausführlich über das, was sie erlebt haben. Die Kinder und Jugendlichen spielen auch Theater und bringen ihre Geschichte auf die Bühne. Sie können dort zur Schule gehen, damit sie sich eine andere Zukunft vorstellen können und dafür eine Chance haben. Einige der Kinder und Jugendlichen sind traumatisiert, ihre Erlebnisse im Krieg haben ihnen schwer zugesetzt.
Yina ist inzwischen eine junge Frau. Sie hat eine Ausbildung zur Krankenpflegerin gemacht und leitet selbst Jugendgruppen mit ehemaligen Kindersoldaten und Kindersoldatinnen. Zurück in ihre Heimatregion kann sie aber nur unter großen Gefahren, erzählt Ralf Willinger. Denn es könnte passieren, dass die Kämpfenden sie wieder mitnehmen.
Yinas Geschichte ist eine von unzähligen. Es wird geschätzt, dass weltweit etwa eine Viertelmillion Kinder als Soldaten und Soldatinnen missbraucht werden. In mehr als 20 Ländern gibt es das. "Die jüngsten sind sechs, sieben Jahre alt", erzählt Ralf Willinger. Waffen tragen die meisten Kinder erst später. Ein Teil leistet Hilfsdienste an der Front, andere kämpfen mit. "Sie müssen oft die gleichen Dinge machen wie Erwachsene. Wenn sie es nicht schaffen, werden sie genauso bestraft", sagt Ralf Willinger. An ihr Schicksal erinnert jährlich der Tag gegen den Einsatz von Kindersoldaten. Er ist immer am 12. Februar, als Zeichen zum Protest gibt es den roten Handabdruck - wie auf dem Bild.
Fragen von Susan Schädlich
geeignet ab Klasse 3
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